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Sub­sump­ti­on or Uni­fi­ca­ti­on – An HPSG-​Analysis for Free Re­la­ti­ve Clau­ses in Ger­man

Author: Ste­fan Mül­ler

Stich­wör­ter: Nicht­trans­for­ma­tio­na­le Syn­tax des Deut­schen, HPSG

Titel: Sub­sump­ti­on or Uni­fi­ca­ti­on – An HPSG-​Analysis for Free Re­la­ti­ve Clau­ses in Ger­man

Aus der GB-​Literatur (Bau­se­wein, 1990) über freie Re­la­tiv­sät­ze ist be­kannt, daß sich diese teil­wei­se wie No­mi­nal­phra­sen ver­hal­ten. Sie kön­nen Ar­gu­ment­po­si­tio­nen des Verbs fül­len.

(1) a. Was er nicht kennt, ißt er nicht.
    b. Die da stehen, kennen wir nicht.
Ob­wohl freie Re­la­tiv­sät­ze fi­ni­te Sätze sind, wer­den sie ent­spre­chend der syn­tak­ti­schen Ei­gen­schaf­ten ihrer Re­la­tiv­phra­se im Mit­tel­feld an­ge­ord­net.
(2) Er hat, was er geschenkt bekommen hat, sofort in den Schrank gestellt. 
Freie Re­la­tiv­sät­ze kön­nen nicht nur wie in (1–2) als Kom­ple­men­te auf­tre­ten. In Ab­hän­gig­keit von den Ei­gen­schaf­ten der Re­la­tiv­phra­se kön­nen sie auch – wie in (3) – als Mo­di­fi­ka­tor fun­gie­ren.
(3) Wo du schläfst, ist es laut.
Ich zeige, daß freie Re­la­tiv­sät­ze zu einer Ka­te­go­rie pro­ji­zie­ren, die in einer engen Be­zie­hung zu den lo­ka­len Ei­gen­schaf­ten der Re­la­tiv­phra­se steht. Diese Be­zie­hung wird durch eine Re­la­ti­on, die im we­sent­li­chen einer kom­ple­xen Dis­junk­ti­on ent­spricht, im­ple­men­tiert. Die Re­la­ti­on be­schreibt so­wohl die syn­tak­ti­schen als auch die se­man­ti­schen Re­gel­mä­ßig­kei­ten, die sich bei frei­en Re­la­tiv­sät­zen be­ob­ach­ten las­sen.

Wie In­gria (1990) ge­zeigt hat, stellt die un­ter­schied­li­che Ka­sus­zu­wei­sung im Re­la­tiv­satz und im Ma­trix­satz, wie sie z.B. in (1b) vor­liegt, ein Pro­blem für Uni­fi­ka­ti­ons­gram­ma­ti­ken dar. Ich zeige, daß In­gri­as An­satz nicht mit an­de­ren An­nah­men in­ner­halb der HPSG-​Theorie ver­ein­bar ist und schla­ge eine an­de­re Lö­sung für das Pro­blem vor.

Im All­ge­mei­nen gibt es drei Mög­lich­kei­ten, Sätze wie (1-3) zu ana­ly­sie­ren: einen lee­ren Kopf, ein unä­res Sche­ma und eine le­xi­ka­li­sche Regel. Im Auf­satz wird ge­zeigt, daß die Daten gegen die le­xi­ka­li­sche Regel spre­chen und es wird er­klärt, wo die Vor­tei­le des unä­ren Sche­mas ge­gen­über dem lee­ren Kopf lie­gen.

Die Ana­ly­se ist im Babel-​System im­ple­men­tiert.

Der Auf­satz wurde in den Pro­cee­dings der DGfS/CL 97 ver­öf­fent­licht. In­zwi­schen ist ein Zeit­schrif­ten­ar­ti­kel er­schie­nen.

DGfS-​Veröffentlichung